Suche
Suche Menü

Eine Blase …

ganz offene und persönliche Worte

Lange habe ich hin und her überlegt ob ich darüber schreiben soll… Der Text in verschiedenen Varianten ist mir immer wieder im Kopf umher gegeistert und daher habe ich mich dazu entschieden ihn aufzuschreiben um ihn genau da rauszubekommen. Schlußendlich habe ich mich doch dafür entschieden um Euch einen kleinen Einblick zu gewähren und auch um mich etwas zu erklären. Es sind sehr ernste Gedanken und es wird etwas länger ohne viele schöne Bilder zwischendurch – daher nur weiterlesen wenn ihr möchtet.

Ich habe ein schlechtes Gewissen – ein richtig schlimmes schlechte Gewissen. Weil ich in den letzten Wochen und auch Monaten vielen nicht gerecht werden konnte. Tolle neue Eigenproduktionen, Ebooks die getestet werden sollten und auch eigene Dinge und Aufträge stapeln sich bis zur Decke. E-Mail die ich vergessen habe zu beantworten oder Anfragen auf die ich nicht reagiert habe. Die To-Do-Liste erstreckt sich bis ins UNENDLICHE!

Nach eigenen schweren körperlichen Beschwerden durch die Geburt unserer zweiten Tochter und dem plötzlichen Tod meines Vaters – von heute auf morgen ohne Vorwarnung und Anzeichen – waren wir und auch unser Umfeld schockiert und gelähmt. Es ist jetzt zwei Monate her – zwei Monate die unser Leben komplett auf den Kopf gestellt und die uns extrem viel abverlangt haben. Man funktioniert! Für die eigene Familie und Kinder, für die eigene Mama und unterstützt wo man kann mit aller Liebe und dem ganzen Herzen. Die Tage sind nur so an mir vorbei gerauscht… sie waren vollgepackt mit Dingen die man sich im Leben nicht ausgemalt hat und um die man sich in so einem Fall kümmern muss. Ich habe mich wie unter Wasser gefühlt. Das Umfeld war mir bewusst aber ich habe alles als dumpf und wie in einer Blase wahrgenommen. Ich war nicht fähig zu arbeiten – nicht fähig über die alltäglichen und auch wichtigen anderen Dinge hin zu funktionieren. Kraftlos und gelähmt.

Durch die eigenen Kindern ist man schnell im Alltag involviert und versucht diesen auch aufrecht zu erhalten. Gewohnheit. Man durchlebt die verschiedendsten Gefühlswelten und pendelt emotional hin und her. Alltag und Traurigkeit. In einem Augenblick ist uns die Trauer und der Verlust in seiner Tragweite so bewusst das er Tonnenschwer auf dem Herzen liegt, dann wiederum versucht man im Hier und Jetzt sein Bewusstsein auf das zu lenken was gerade um einen passiert. Meine Große leidet unter dem Verlust auch sehr und war die ersten Wochen komplett neben sich gestanden. Auch jetzt gibt es noch Abende und Nächte wo viele Tränen bei ihr fließen. Auch ein Kinderherz leidet.

Dann musste ich zusätzlich feststellen, dass so ein Thema auch eine extreme Herausforderung für das eigene Umfeld ist. Jeder verarbeitet so einen Verlust anders. Manche brauchen extremen Zuspruch und viele Menschen umsich, andere wiederum möchten allein sein und niemanden sehen. Daher ist es für Außenstehende schwierig bzw. man hat Angst oder Sorge wie mit dem Gegenüber umzugehen ist. In meinem und unseren Fall gab es sehr persönlichen Zuspruch und liebe Worte von Menschen von denen ich es nie wirklich NIE gedacht habe. Andere sogenannte „Freunde“ wurde nie mehr gesehen und gehört. Das ist zusätzlich bitter… denn ein „Herzliches Beileid“, „Es tut mir leid“, ein einfacher Händedruck ohne Worte oder einfach in den Arm nehmen muss doch eigentlich selbstverständlich sein. Vor allen unter Freunden. Aber NICHTS und absolute Schweigsamkeit ist ein Stich ins Herz.

Aber mit diesem Thema scheinen sich manche Leute nicht auseinander setzen zu wollen und zu können. Wobei sie das ja eigentlich nicht im Detail müssen, … ich hätte mir hier manchmal einfach nur Normalität gewünscht. So aber fühlt man sich wie jemand der etwas an sich hat was abschreckt. JA ich bin traurig und JA ich trauere. Aber NICHT in aller Öffentlichkeit binde ich dieses Thema jeden auf die Nase der mich anspricht oder mache es zum Gesprächsmittelpunkt aller Dinge. Aber wie heißt es so schön wenn sich Türen schließen gehen irgendwo anders welche auf.

Dieses Phänomen haben mir in dieser Zeit aber so einige Leute bestätigt. Freunde wenden sich ab und waren nicht mehr gesehen. Das scheint nicht nur bei uns so zu sein. Solche Erfahrungen verändern uns und unser Leben – unser Bewusstsein. Sie formen uns und machen uns zu das, was wir sind. Wir gehen bewusster durchs Leben, setzen neue Maßstäbe und sortieren kräftig aus. Der eigene Blick wird auf das wesentliche gelenkt, dass was uns wichtig ist.

Man merkt dann erst mit wievielen unwesentlichen Dingen man sich Tag täglich aufhält. Gedanken verschwendet und vergeudet und Kraft investiert oder sich um Belanglosigkeiten streitet.

Irgendwann kamen sie wieder, die kreativen Gedanken, Ideen und Überlegungen. Aber sie waren nur im Kopf und mein Körper war nicht fähig sie umzusetzen. Wir spürten jeden Augenblick und Moment in der Gegenwart ganz intensiv. Aber kreativ zu arbeiten war für mich nicht möglich. Ich habe hier viele von Euch immer wieder vertrösten müssen. Aufträge nach hinten verschoben und Termine nicht einhalten können. Blogbeiträge und Themen sind offen über die ich berichten wollte. Aber ich konnte nicht – auch jetzt geht es zum Teil noch nicht.

Das Schlüsselerlebniss kam an einem Tag an dem ich mehrfach extremst enttäuscht wurde. Enttäuscht und verletzt. Näher möchte ich dazu nicht eingehen. Aber ich bin im Nachhinein sehr froh über diese Situation, denn sie haben mich erst traurig und dann richtig wütend gemacht. Und diese Wut hat in mir einen Knoten platzen lassen und ich konnte diese Wut in meine Kreativität umsetzen und wieder das erste Mal arbeiten.

Ich bin daher sehr froh, dass ich mich mit der Arbeit im Moment etwas ablenken kann. Auch wenn der Druck auf mir lastet alles endlich erledigen zu können und man sich wie ein Hamster im Laufrad fühlt und der Berg vor einen sich gewaltig ist. Daher muss ich auch lernen „Nein“ sagen zu können und mich aus manchen Dingen derzeit einfach zurückziehen. Auch wenn das Herz gerne anders möchte. Auch wenn die Angst im Hintergrund mitschwirrt den Anschluß zu verpassen, aussortiert zu werden oder nicht mehr als interessant zu gelten. Aber das wische ich jetzt weg. Es ist wie es ist und es wird wieder anders!

Ich bin froh und dankbar, dass ich meinen Papa soviele Jahre haben durfte. Ich bin dankbar das wir so eine gute Beziehung hatten und das wir uns fast täglich gehört, gelesen und immer wieder gesehen haben. Das er mir gezeigt hat stark zu sein, mir vieles beigebracht hat um alles erdenkliche zu meistern. Er hat mich in vielen unterstützt und war mir immer ein toller Ratgeber. Ja ich bin DANKBAR in dieser Situation. Dankbar darüber, dass er so sterben durfte wie er es sich immer gewünscht hat. Ohne Krankheit und lange Leidenszeit. Auch wenn es für uns hart ist aber für ihn war es ein Tod DELUXE und das hat er sich verdient. <3

Ich hoffe ich habe Euch mit diesen Zeilen nicht überfahren und überfordert. Es ist harte Kost, aber die musste jetzt einfach mal von der Seele geschrieben werden. Mir hat es gut getan.

Irgendwann tut es nicht mehr so weh und man lernt Stück für Stück damit zu leben. Daran arbeite ich gerade.

Ich wünsche Euch allen ein schönes restliches Wochenende!

unterschrift

 

28 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Cindy,
    mein tiefstes Mitgefühl. Ich habe deine Sätze gelesen und mir steckt ein trauriger Klos im Hals. Und gleichzeitig ist es so wundervoll klar und ehrlich und unbeschönt.
    Ich habe leider auch schon einen Menschen ganz plötzlich durch einen Unfall gehen lassen müssen, einfach weg! Von gestern auf heute!
    Der Mensch ist nicht dazu geschaffen worden alles zu verstehen, nur mit allem umzugehen was das Leben für uns bereithält.
    Umso mehr freut es mich dann zu lesen, das die Näherei dir dabei behilflich ist und vielleicht sogar ein wenig ein Anker :-*

    Antworten

    • Dankeschön liebe Annkatrin <3
      Ich wünsche Dir auch ganz viel Kraft!!
      Liebe Grüße,
      Cindy

      Antworten

  2. Liebe Cindy,

    ich wünsche dir und deiner Familie weiterhin ganz viel Kraf.

    LG Roksana

    Antworten

  3. hallo,
    Deine Zeilen erinnern mich an meine Eltern, als mein Vater starb hatte meine Mutter nur noch uns…..und ich habe es nicht verstanden. Ich war zwar für Sie da, hab nach Möglichkeit alles gemacht, aber jetzt ist sie auch schon so viele Jahre tot und ich meine immer ich hätte mehr tun können, ich habe nicht genügt.
    Es ist gut so wie es ist, dein Vater hatte einen schönen Tod uns glaube mir, ich bin jetzt 61 Jahre, ihr Kinder seit unser größtes Glück. Er wird dich im Herzen gehabt haben. Lass etwas Zeit vergehen, dann bist du und auch eine Tochter fast wieder die Alte. Fast. Er wird immer da sein, für euch….. ❤️

    Antworten

    • Hallo liebe Ilse,
      Du hast bestimmt alles richtig gemacht! Sie wird es zu schätzen gewusst haben und Du brauchst Dir ganz sicherlich keine Vorwürfe machen!
      Dankeschön für Deine lieben Wort.
      Liebe Grüße,
      Cindy

      Antworten

  4. Liebe Cindy,
    ich drücke dich ganz doll und wünsche dir weiterhin ganz viel Kraft, um den Verlust deines Vaters zu verarbeiten und dabei trotzdem noch genug Stärke und Liebe für deine Familie zu haben! <3
    Liebste Grüße, Joschi

    Antworten

  5. Danke für diese Worte und den Einblick in deine Gefühlswelt.
    Und ich kann Dir versprechen:
    „Die Zeit heilt die Wunden!“ Ein doofer Spruch – stimmt aber! Irgendwann wird es leichter.

    LG Simone

    Antworten

  6. Liebe Cindy,
    Danke für deine offenen Worte und mein herzlichstes Beileid. Ich kann dich ein wenig verstehen. Ich wüsste nicht, was ich tun sollte, würde mein Papa so plötzlich versterben…

    Antworten

  7. Liebe Cindy,
    fühl dich bitte mal ganz feste gedrückt!
    Viel mehr möchte ich dir eigentlich gar nicht schreiben.
    Hör auf dich, deinen Körper und dein Herz und mach das, was dir gut tut.
    Ich wünsche dir viel Kraft und Unterstützung!
    Viele liebe Grüße von
    Anke

    Antworten

  8. Liebe Cindy,
    wahre und starke Worte hast du hier geschrieben.
    Nimm die alle Zeit, die du brauchst.

    Es ist für Außenstehende, ob Freunde oder nicht, immer schwierig angemessen und nicht aufdringlich zu reagieren. Heutzutage ist der Tod nicht mehr allgegenwärtig und immer eine Ausnahmesituation, der sich viele nicht gewachsen sehen. Das ist keine Entschuldigung, kann es gar nicht sein, aber vielleicht ein Erklärungsversuch.

    Wir haben hier bei uns in Arnstadt eine wunderbare Veranstaltung in der Vorweihnachtszeit: Bachkirche unplugged …für Paula. Im Ursprung ist diese Veranstaltung entstanden, weil die Initiatoren ihrer Trauer Raum geben wollten. Mittlerweile machen sie damit eben auch darauf aufmerksam: Den Umgang mit Trauernden. Sie eben nicht vor den Kopf zu stoßen, indem man, sicher auch unbewusst, deren Verlust ignoriert, sondern auf sie zugehen. In jedem Jahr findet diese Veranstaltung viel Zuspruch und viele Trauernde wie nicht-Trauernde fühlen sich angesprochen und unterstützt. Das finde ich eine tolle Sache.

    Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft

    LG Sabrina

    Antworten

    • Liebe Sabrina,
      wahrscheinlich ist es ein natürlicher Reflex sich von solchen Situationen oder Personen mit Krankheiten zu enternen, weil man aus Unsicherheit und Angst nicht weiß wie man damit umzugehen hat. Jeder trauert anders … aber ich denke ein wahrer Freund zeigt sich wenn auch stumm mit einem Blick, Händedruck oder in den Armnehmen. Mehr bedarf es wahrscheinlich am Anfang nicht.
      Diese Veranstaltung ist eine wundervolle Idee! Ganz liebe Grüße,
      Cindy

      Antworten

  9. *in-den-arm-nehm-und-ganz-fest-drück* ❤️
    Ein sehr berührender Text, der mich auch nachdenklich stimmt….
    Ich wünsche dir ganz viel Kraft, Energie und Liebe!

    Liebe Grüsse
    Fenna

    Antworten

  10. Mir kommen die Tränen. Einen Menschen den man liebt zu verlieren ist unerträglich. Dankbarkeit für die schöne Zeit macht es etwas leichter. „Tod Deluxe“ grauenvoll für die die zurück bleiben, leichter als alles andere für den der geht. Ich teile Deine Gedanken und sende Dir Kraft die ich gerade über habe. Schön das Du die Ketativität auch wieder umsetzen kannst. Viele Grüß Nina

    Antworten

  11. Liebe Cindy,
    das waren wundervolle Worte. In Deutschland ist der Umgang mit dem Tod sehr verhalten. Leider! Denn er gehört zum Leben dazu. Viele Menschen lernen nicht offen damit umzugehen. Da können wir uns von anderen Kulturen noch eine dicke Scheibe abschneiden.
    Nimm dir die trauerzeit, die Du brauchst. Von uns aus ist alles im Reinen !!!
    Eine ganz liebe Umarmung
    Alles Liebe Simone

    Antworten

    • Liebe Simone,
      da sagst Du was… eher wird darüber geschwiegen.
      Ich weiß, ich danke Euch so für Euer Verständnis und Vertrauen!
      Ihr seid toll! <3
      Liebe Grüße,
      Cindy

      Antworten

  12. Liebe Cindy,

    es tut mir sehr leid, was Du und Deine Familie erleben mussten. Da fehlen leicht die Worte. Trotzdem danke ich Dir auch besonders für diesen Augenöffner am heutigen Tag. Das Leben ist nicht immer nur Leben. Und das Leben ist nicht immer nur schön. Aber es ist das Leben. Und da sollten doch viele von uns mal wieder hin zurückfinden. Raus aus der Virtualität, rein in die Realität. Echte Freunde, echte Menschen, die man sehen, umarmen, hören kann. Menschen, die zu lieben sich lohnt. Eltern, Kinder, Freunde, Nachbarn…

    Irgendwann tut es nicht mehr so weh, aber es wird immer da sein. Nach 2, nach 5, nach 10 Jahren. 10 Jahre? Unvorstellbar. Und doch gibt es immer noch Sätze die präsent sind… Die zweijährige, die am Grab fragt: „Und wann kommt der Andreas da wieder raus?“ Heute habe ich selbst Kinder in dem Alter und bin froh um jeden Tag mit ihnen und meiner lieben Familie, die ich viel zu wenig umarme. Das wird jetzt sofort nachgeholt.

    Ich schicke herzliche Grüße, Sandra

    Antworten

    • Dankeschön liebe Sandra für diese tolle Zeilen! Du sprichst mir so aus dem Herzen und es ist so wundervoll formuliert! <3
      Liebe Grüße,
      cindy

      Antworten

  13. Liebe Cindy,

    danke für deine offenen und sehr persönlichen Worte. Du hast mich damit sehr berührt.
    Die Zeit ist sicher im Moment sehr hart für dich. Aber es wird besser, versprochen!
    Wie viele andere hier, habe auch ich die Erfahrung gemacht, dass sich erst in solchen Situationen zeigt, auf wen man sich wirklich verlassen, auf wen man wirklich zählen kann. Diese Freunde bleiben!
    Auch wenn wir uns persönlich nicht kennen, sende ich dir auf diesem Wege mein Beileid und eine virtuelle Umarmung (wenn dir das nicht zu persönlich ist). Ich fühle mit dir.
    Liebe Grüße und alles, alles Gute!
    Janina

    Antworten

    • Liebe Janina,
      ganz lieben Dank für Deine Zeilen! Jede schlechte Erfahrung hat auch immer etwas gutes und es werden neue Türen aufgehen die uns allen wieder gut tun wird. <3 Alles liebe für Dich! Lg Cindy

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


zehn − sechs =

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen